SVT – Sinusvenenthrombose

Eine "never ending story"?!

Was ist eigentlich eine Thrombose?

Hallo Welt,

heute möchte ich endlich (hat sich bisschen hingezogen, ich weiß, aber ich war zwischendurch mal wieder im Krankenhaus und die Feiertage vorher haben ihr übriges getan ;) ) den zweiten Teil der Sinusvenenthrombose erklären: die Thrombose.

“Eine Thrombose ist die intravasal und intravital ablaufende Bildung eines fibrinhaltigen Thrombozytenaggregats mit teilweisem oder vollständigem Verschluss eines oder mehrere Blutgefäße.” Hört sich echt gut an, oder? :roll:

Das heißt Übersetzt: wenn wir uns verletzen, wird unser Gerinnungssystem aktiviert. Dies passiert folgendermaßen: durch die Verletzung der Haut werden immer auch Blutgefäße verletzt (je nachdem wie groß das Gefäß ist, blutet es mehr oder weniger). In unserem Blut befinden sich nun verschiedene Gerinnungsfaktoren und in der Wand aller unserer Blutgefäße befindet sich ein Gewebefaktor (=Tissue factor TF), der bei Verletzungen austritt. Dieser TF aktiviert nun den Gerinnungsfaktor VII (F VII), der seinerseits den Gerinnungsfaktor X (F X) aktiviert und dieser aktiviert wieder einen anderen GerinnunVereinfachtes aktuelles Gerinnungsmodellgs- faktor und so weiter und so fort. (Die Einzelheiten führen an dieser Stelle zu weit. Wen es interessiert, der kann aber z.B. hier nachlesen.) Am Ende wird das Prothrombin (= der Gerinnungsfaktor II) u.a. vom Gerinnungsfaktor V in Thrombin umgewandelt und das Thrombin sorgt dafür, dass Fibrin gebildet wird, das mit den Thrombozyten (=Blutplättchen) verklebt und einen festen Verschluss des Blutgefäßes -ein Gerinnsel oder auch fibrinhaltiges Thrombozytenaggregat :) – bildet. Die Blutung wurde gestoppt.

Damit nun aber nicht bei jeder Verletzung unser gesamtes Blut gerinnt, gibt es ein System, das die Blutgerinnung reguliert und hemmt. Diese Hemmung der Blutgerinnung nennt man Fibrinolyse und die daran beteiligten Stoffe Gerinnungshemmstoffe oder Antikoagulatoren (z.B. Antithrombin, Protein C und S). Jeder Gerinnungsfaktor hat also auch einen Gegenspieler, der verhindert das der jeweilige Faktor aktiviert wird und andere Faktoren aktiviert (z.B. das Antithrombin verhindert die Bildung von Thrombin aus Prothrombin). Normalerweise herrscht in unserem Körper ein ständiges Gleichgewicht zwischen der Blutgerinnung (Hämostase) und der Fibrinolyse (Auflösung der Gerinnsel).

Bei einer Thrombose ist dieses natürliche Gleichgewicht gestört. Das kann nun zahlreiche Ursachen haben. Man unterscheidet dabei aber 3 verschiedene Ursachenkomplexe auch Virchowsches Trias genannt:

  1. Gefäßwandveränderungen (z.B. durch Entzündungen oder Arteriosklerose)
  2. Stärungen der Blutströmungsgeschwindigkeit (z.B. durch eine Verlangsamung des venösen Rückstroms vor allem in den tiefen Beinvenen durch lange Bettlägerigkeit)
  3. Änderung der Blutzusammensetzung (postoperativ, hormonell bedingt oder durch einen Gendefekt wie z.B. Faktor V Leiden)

Treten eine oder mehrere Ursachen auf, so kommt es ohne eine Verletzung (also intravital) im Blutgefäß (=intravasal) zur Aktivierung des Gerinnungssystems und damit zur Bildung eines Gerinnsels (=Thrombus), welches dazu führt, dass das betroffene Gefäß ganz oder teilweise verschlossen wird. Je nachdem wo dieser Thrombus auftritt spricht man von einer cardialen (=im Herzen), arteriellen oder venösen Thrombose. Und je nach Ort und Größe des Thrombus variieren auch die Auswirkungen. Eine Thrombose in den Herzkranzgefäßen kann zu einem mehr oder weniger heftigen Herzinfarkt führen, eine Thrombose in den tiefen Beinvenen kann eine Lungenembolie auslösen und eine arterielle Thrombose kann zu einem Schlaganfall (= Minderdurchblutung des Gehirns) führen.

:!: Eine Sinusvenenthrombose bezeichnet nun also die Bildung eines Thrombus (=Thrombose) in den großen venösen Gefäßen des Gehirns (=Sinusvenen). Je nach Größe des Thrombus wird/werden die Hirnvene/n mehr oder weniger vollständig verschlossen. Was das für Auswirkungen hat oder haben kann, erkläre ich euch in meinem nächsten Beitrag!

Für heute bleibt mir nur noch zu sagen: Stark zu sein bedeutet nicht, nie zu fallen. Stark sein bedeutet, immer wieder aufzustehen! Bis demnächst ihr Stehaufmännchen bzw. -weibchen!

6 Reaktionen zu “Was ist eigentlich eine Thrombose?”

  1. Ruth

    Hallo!
    Deine Seite finde ich sehr gut und informativ. Bei mir wurde auch im März 2004 eine Sinunsvenenthrombose und eine Faktor V Mutation festgestellt. Seit dem nehme ich Marcumar und habe so meine Schwierigkeiten mit all dem. Ich bin leider ziemlich oft im Krankenhaus und muss immer sehr viele Untersuchungen über mich ergehen lassen. Leider nicht immer mit Erfolg. Mich würde interessieren wie es dir(ich hoffe ich darf du sagen) heute so geht. Vielleicht kann man sich etwas austauschen.

  2. Steffi

    Hallo Ruth,
    danke für Dein Lob und entschuldige, dass ich mich jetzt erst melde. Ich hatte zu der Zeit als Du gerade geschrieben hast auch mal wieder einen Rückschlag hinzunehmen mit Kopfschmerzen und Schwindelattacken. Es stellte sich heraus, dass mein Shunt neu eingestellt werden muss und dadurch ist Gott sei Dank wieder alles gut. Aber diese ständigen Rückschläge schlauchen doch sehr! In sofern kann ich es gut verstehen, dass Dich Deine ständigen Krankenhausaufenthalte ermüden. Ich kann Dir nur -wie allen- raten: Nicht aufgeben! Und vor allem lasst euch nur nie einreden, ihr würdet simulieren. Wenn ihr das Gefühl habt, irgendwas stimmt nicht, dann rennt den Ärzten die Bude ein! Denn dann stimmt auch irgendwas nicht! Ich habe das jetzt auch wieder gesehen. Alle sagen, ach das wird schon wieder. Und dann wurde es doch nicht einfach so wieder. Das belastet. Mich so sehr, dass ich überlege eine Gesprächstherapie anzufangen. Wenn die Wartezeiten bei den Psychologen nur nicht so elendig lang wären…
    Aber trotz allem bin ich fest davon überzeugt, dass wir das alle schaffen.
    Irgendwann werden Deine Krankenhausaufenthalte bestimmt auch weniger, Ruth! Und melde Dich wenn Du Dich weiter austauschen willst.
    Alles Liebe!

  3. Manuela

    Hallo Steffi,Ich bin 24 jahre alt und bei mir wurde am 5.August (also vor 7 woche)auch festgestellt dass ich SVT habe.Davor hatte ich 10 tage tierische Kopfschmerzen,verbunden mit Schwindel und Übelkeit.So suchte ich meinen Hausarzt auf.er handelte super ich konnte 3 tage später (MO morgen) ein MRI machen und lag MO abend notfall mässig im Spital,wo ich ein paar tage bleiben musste.Nun bin ich wieder zuhause,konnte vor 1 woche aufhören zu spritzen und mus “nur”noch Marcumar zu mir nehmen.
    Ich komme mir manchmal so hilflos vor,alle haben angst um mich und ICH muss ihnen mut machen dass es schon wieder gut kommt..sollte es nicht andersherum sein?!war das bei dir auch so?
    ich würde mich über eine Antwort von dir freuen.liebe grüsse Manuela

  4. Steffi

    Hallo Manuela,
    ja die Hilflosigkeit kenne ich. Das ist ein zeimlich mieses Gefühl, wenn man sich nicht mal mehr sein Frühstück selber machen kann, wie es bei mir anfangs gewesen ist. Ich hatte allerdings das Glück, dass ich bei meiner Familie ganz viel Rückhalt bekommen habe und vor allem meiner Mutter und meinem Freund gegenüber nicht stark sein musste. Sie war diejenige, die mir immer wieder Mut gemacht hat. Das Gefühl, den anderen versichern zu müssen es würde schon alles werden, hatte ich nur gegenüber meinen Freunden. Und das vor allem vor meiner VP-Shunt-OP. Meine Freundinnen haben immer alle heulend vor mir gesessen und ich dachte nur “Warum weinst DU denn jetzt? ICH bekomme doch den Kopf aufgebohrt!”. Ich weiß nicht, vielleicht liegt das daran, dass die Außenstehenden so hilflos sind. Man selber kann zwar auch nicht viel machen, aber wenigstens zur REHA oder was auch immer gehen. Die anderen gucken nur zu und wissen oftmals auch nicht was sie sagen sollen. Schwierige Situation. Versuch doch einfach mal das offen anzusprechen. So habe ich es manchmal versucht. Und es hat auch geholfen. Zwar nicht bei allen, aber in der Not trennt sich bei den Freunden ja eh die Spreu vom Weizen.
    Kopf hoch! Du schaffst das ganz bestimmt auch!

  5. Manuela

    Danke für deine Antwort,ich werde mir deine Worte zu herzen nehmen.bei mir ist “nur”meine beste Freundin stark,dort kann ich auch ganz ehrlich sein.Meine Familie und mein Freund haben angst,meine Mutter weint oft daher bin ich manchmal nicht so ehrlich und sage es geht schon gut und wird schon wieder..obwohl ich selber nicht weiss wie es weiter geht.
    wie geht es dir heute? fühlst du dich gut?
    Danke dass du immer ein offenes Ohr für uns hast!! Liebe Grüsse Manuela

  6. Steffi

    Hallo Manuela,
    es ist wirklich für alle eine schwierige Situation. Ich kann verstehen, dass Deine Familie Angst hat, aber wie gesagt, sprich es mal an und sage ihnen offen wie es Dir geht. Vielleicht hilft das.
    Mir geht es heute wieder gut. Ich habe ja 2 Jahre später einen VP-Shunt eingesetzt bekommen müssen und bin deshalb noch regelmäßig in ärztlicher Kontrolle. Ab und an muss er neu eingestellt werden, aber von der SVT ist sonst nichts mehr zurück geblieben. Ich war in diesem Jahr zu meiner letzten hämostaseologischen Kontrolle und mein letztes Kontroll-MRT des Kopfes war letztes Jahr im Rahmen der Shunt-Kontrolluntersuchung. Also es wird langsam alles wieder normal :-) Aber bei mir ist es ja auch schon wieder 5 1/2 Jahre her. Und wenn ich mich so zurück erinnere, dann war das 1. Jahr das schwerste. Naja und das 2. weil da die Geschichte mit dem erhöhten Hirndruck und der VP-Shunt-OP dazu kam. Aber seit Mitte 2008 geht es stetig zurück in die Normalität. Du siehst, es dauert seine Zeit, aber irgendwann wird alles wieder normal.
    Bleib tapfer!

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