SVT – Sinusvenenthrombose

Eine "never ending story"?!

Wie merkt man denn, dass man eine SVT hat?

Hallo Welt,

wie bei eigentlich allen Erkrankungen ist es auch bei einer Sinusvenenthrombose wichtig, sie rechtzeitig zu erkennen und dann auch richtig zu behandeln. Leider ist das ein großes Problem. 🙁

Zum einen liegt das wohl daran, dass diese Erkrankung relativ selten auftritt und zum anderen liegt es an den meist recht unspezifischen Symptomen, die man hat. Oder wer denkt bei einer Migräneattacke gleich an eine lebensbedrohliche Erkrankung? Zumal als eigentlich gesunde, junge Frau?
Das gilt im gleichen Maße für einen als Patientin selbst als auch für den durchschnittlichen Hausarzt.
Aufmerken sollte man, wenn man über Tage hinweg migräneartige Kopfschmerzen hat, die auch durch Schmerzmittel egal ob als Tabletten, Zäpfchen oder Tropf nicht oder nur sehr vorübergehend gelindert werden.
So war es auch bei mir: alles begann mit einer scheinbaren Migräne mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtscheu. Anfangs halfen noch Paracetamol gegen die Kopfschmerzen und ich dachte mir, das würde schon werden. Doch am 2. Tag wurden die Schmerzen schlimmer und mit ihnen auch die Übelkeit. Ich konnte nichts mehr bei mir behalten und habe mich immer häufiger und heftiger übergeben.
Mittlerweile weiß ich, dass Kopfschmerzen in Verbindung mit heftiger Übelkeit immer ein sehr ernstes Zeichen für eine Hirnschwellung sind. Damals habe ich der Ärztin vom hausärztlichen Notdienst geglaubt, dass das schon wieder vorbei geht!
Das hätte mich fast umgebracht.

Am 3. Tag war ich dann schon so dehydriert und bewusstseinsgetrübt, dass mir eigentlich völlig egal war, was mit mir passierte. Mein Freund hat zu dieser Zeit dann durchgegriffen und mich in die Notaufnahme gebracht. Die haben es erst mit einem Migränetropf – also verschiedenen Medikamenten gegen Migräne intravenös gegeben- versucht und mich dann in die Neurologie verlegt. Dort wurde die Sinusvenenthrombose dann mittels einer MRT diagnostiziert. Dies ist meines Wissens nach auch die einzige Möglichkeit eine SVT sicher zu erkennen, denn nur im MRT kann man auch die Gefäße darstellen und erkennt damit die Verschlüsse einer Thrombose!
Ähnlich Krankengeschichten habt ihr ja zum Teil auch selbst erlebt.

Ich weiß im Nachhinein ist man immer schlauer und wenn es noch nicht akut ist denkt man sich „ach so schlimm ist es ja nicht!“ aber ich würde jedem, der öfter unter ungeklärten Kopfschmerzen oder Migräneattacken leidet, raten sich nicht mit der Meinung eines Arztes zufrieden zu geben, sondern zu einem Neurologen zu gehen und auf ein MRT zu bestehen. Das kostet zwar Zeit und Geduld, aber wenn einem damit eine SVT und so eine Krankengeschichte wie uns Betroffenen erspart bleibt, dann hat sich meiner Meinung nach der Einsatz gelohnt! Und ich denke da werden mir die anderen Betriffenen hier zustimmen.
Man soll zwar nicht immer den Teufel an die Wand malen, aber manchmal ist Vorsicht halt doch besser als Nachsicht! Und mit diesen weisen Worten will ich es auch erst mal belassen. Bis zum nächsten Beitrag!
Und: TSCHAKKA, wir schaffen das alle!

Endlich wieder da!

Hallo Welt!
Verzeiht alle, dass ich hier so lange nichts aktualisiert habe. Ich hatte doch einiges mit meiner OP zu tun und danach fing dann meine Prüfungsphase an und an diese schloss sich mein 1. Job. Dort kehrt aber langsam der Alltag ein, so dass ich wieder etwas mehr Zeit und Muße habe um wieder regelmäßiger zu bloggen.
Ich habe aber trotz allem Stress eure Kommentare gelesen. Auf der einen Seite haben mich eure Krankengeschichten gerührt und auf der anderen Seite freut es mich, dass mein Blog bei dem einen oder anderen seinen Zweck erfüllt hat und über das Krankheitsbild „Sinusvenenthrombose“ informiert.
In Zukunft kommt dann also die eine oder andere Information dazu.
Ich freue mich auch weiterhin auf eure Kommentare!

Was ist eigentlich eine Thrombose?

Hallo Welt,

heute möchte ich endlich (hat sich bisschen hingezogen, ich weiß, aber ich war zwischendurch mal wieder im Krankenhaus und die Feiertage vorher haben ihr übriges getan 😉 ) den zweiten Teil der Sinusvenenthrombose erklären: die Thrombose.

„Eine Thrombose ist die intravasal und intravital ablaufende Bildung eines fibrinhaltigen Thrombozytenaggregats mit teilweisem oder vollständigem Verschluss eines oder mehrere Blutgefäße.“ Hört sich echt gut an, oder? 🙄

Das heißt Übersetzt: wenn wir uns verletzen, wird unser Gerinnungssystem aktiviert. Dies passiert folgendermaßen: durch die Verletzung der Haut werden immer auch Blutgefäße verletzt (je nachdem wie groß das Gefäß ist, blutet es mehr oder weniger). In unserem Blut befinden sich nun verschiedene Gerinnungsfaktoren und in der Wand aller unserer Blutgefäße befindet sich ein Gewebefaktor (=Tissue factor TF), der bei Verletzungen austritt. Dieser TF aktiviert nun den Gerinnungsfaktor VII (F VII), der seinerseits den Gerinnungsfaktor X (F X) aktiviert und dieser aktiviert wieder einen anderen GerinnunVereinfachtes aktuelles Gerinnungsmodellgs- faktor und so weiter und so fort. (Die Einzelheiten führen an dieser Stelle zu weit. Wen es interessiert, der kann aber z.B. hier nachlesen.) Am Ende wird das Prothrombin (= der Gerinnungsfaktor II) u.a. vom Gerinnungsfaktor V in Thrombin umgewandelt und das Thrombin sorgt dafür, dass Fibrin gebildet wird, das mit den Thrombozyten (=Blutplättchen) verklebt und einen festen Verschluss des Blutgefäßes -ein Gerinnsel oder auch fibrinhaltiges Thrombozytenaggregat 🙂 – bildet. Die Blutung wurde gestoppt.

Damit nun aber nicht bei jeder Verletzung unser gesamtes Blut gerinnt, gibt es ein System, das die Blutgerinnung reguliert und hemmt. Diese Hemmung der Blutgerinnung nennt man Fibrinolyse und die daran beteiligten Stoffe Gerinnungshemmstoffe oder Antikoagulatoren (z.B. Antithrombin, Protein C und S). Jeder Gerinnungsfaktor hat also auch einen Gegenspieler, der verhindert das der jeweilige Faktor aktiviert wird und andere Faktoren aktiviert (z.B. das Antithrombin verhindert die Bildung von Thrombin aus Prothrombin). Normalerweise herrscht in unserem Körper ein ständiges Gleichgewicht zwischen der Blutgerinnung (Hämostase) und der Fibrinolyse (Auflösung der Gerinnsel).

Bei einer Thrombose ist dieses natürliche Gleichgewicht gestört. Das kann nun zahlreiche Ursachen haben. Man unterscheidet dabei aber 3 verschiedene Ursachenkomplexe auch Virchowsches Trias genannt:

  1. Gefäßwandveränderungen (z.B. durch Entzündungen oder Arteriosklerose)
  2. Stärungen der Blutströmungsgeschwindigkeit (z.B. durch eine Verlangsamung des venösen Rückstroms vor allem in den tiefen Beinvenen durch lange Bettlägerigkeit)
  3. Änderung der Blutzusammensetzung (postoperativ, hormonell bedingt oder durch einen Gendefekt wie z.B. Faktor V Leiden)

Treten eine oder mehrere Ursachen auf, so kommt es ohne eine Verletzung (also intravital) im Blutgefäß (=intravasal) zur Aktivierung des Gerinnungssystems und damit zur Bildung eines Gerinnsels (=Thrombus), welches dazu führt, dass das betroffene Gefäß ganz oder teilweise verschlossen wird. Je nachdem wo dieser Thrombus auftritt spricht man von einer cardialen (=im Herzen), arteriellen oder venösen Thrombose. Und je nach Ort und Größe des Thrombus variieren auch die Auswirkungen. Eine Thrombose in den Herzkranzgefäßen kann zu einem mehr oder weniger heftigen Herzinfarkt führen, eine Thrombose in den tiefen Beinvenen kann eine Lungenembolie auslösen und eine arterielle Thrombose kann zu einem Schlaganfall (= Minderdurchblutung des Gehirns) führen.

❗ Eine Sinusvenenthrombose bezeichnet nun also die Bildung eines Thrombus (=Thrombose) in den großen venösen Gefäßen des Gehirns (=Sinusvenen). Je nach Größe des Thrombus wird/werden die Hirnvene/n mehr oder weniger vollständig verschlossen. Was das für Auswirkungen hat oder haben kann, erkläre ich euch in meinem nächsten Beitrag!

Für heute bleibt mir nur noch zu sagen: Stark zu sein bedeutet nicht, nie zu fallen. Stark sein bedeutet, immer wieder aufzustehen! Bis demnächst ihr Stehaufmännchen bzw. -weibchen!

Was sind eigentlich Sinusvenen?

Hallo Welt,

um zu verstehen, was eigentlich eine Sinusvenenthrombose ist, muss man sozusagen beim „Urschleim“ anfangen.

In unserem Körper haben wir 2 Gefäßsysteme: Das Lymph- und das Blutgefäßsystem. Das Lymphgefäßsystem ist das Abwasser- und Drainagesystem unseres Körpers und soll uns an dieser Stelle nicht interessieren.

Das Blutgefäßsystem besteht aus Gefäßen, die zum Herzen hinführen und Venen genannt werden und solchen, die vom Herzen weg führen und Arterien genannt werden. Nun ist es so, dass 1 großes Gefäß vom Herzen weg in den Körperkreislauf fährt – die Aorta. Diese spaltet sich im Laufe des Weges immer weiter auf, d.h. die Gefäße werden immer kleiner und zarter, bis sie schließlich Kapillaren werden. Bei den Venen ist es quasi genau andersherum: sie beginnen bei den Kapillaren und nehmen dann immer mehr Gefäße auf, werden immer größer, bis sie dann als Vena cava inferior und superior ins Herz münden. Im Körperkreislauf kann man sagen, dass die Arterien Sauerstoffreiches Blut zu den Organen transportieren und die Venen das „verbrauchte“ Blut wieder sammeln und zurück zum Herzen transportieren (von wo es dann über den Lungenkreislauf wieder mit Sauerstoff angereichert wird. Aber das nur am Rande 😉 )

Arterien und Venen gibt es natürlich auch in unserem Kopf. Dort heißen die großen Venen, die das venöse Blut des Gehirns und der Hirnhäute aufnehmen Hirnsinus. („Sinusvene“ ist also streng genommen doppelt gemoppelt, weil ein Sinus eine erweiterte Vene ist.) Man unterscheidet nach der Lage dieser Hirnvenen in:

  1. Sinus sagittalis superior und inferior
  2. Sinus rectus
  3. Sinus transversus
  4. und so weiter und so fort (es gibt noch zahlreiche andere, aber die waren bei mir nicht betroffen)

SinusvenenAuf dem Bild seht ihr also schematisch dargestellt, welche Hirnsinus bei mir von der Sinusvenenthrombose betroffen waren bzw. sind. Klickt es einfach an, um es zu vergrößern.

So liebe Welt, das war’s für heute von mir.

Mir belibt nur zu sagen, dass ich uns allen „Die Kraft unseren eigenen Weg zu gehen, den Mut unser Leben immer wieder neu zu entdecken und das Glück, immer gute Freunde an unserer Seite zu haben“ wünsche, denn dann schaffen wir es auch mit dem Leben nach der Sinusvenenthrombose fertig zu werden!

Worum es hier geht

Hallo Welt,

in diesem Blog möchte ich meinen Teil dazu beitragen, das Thema Sinusvenenthrombose im world wide web zu verbreiten. Ich möchte alle Betroffenen an meinem Weg teilhaben lassen und ihnen all die Informationen zur Verfügung stellen, die ich mir mühsam erarbeiten musste -und das teilweise in Situationen in denen man für das mühsame Suchen nach Informationen weder Kraft noch Lust hat! Außerdem möchte ich versuchen, all den Angehörigen und Hilfesuchenden in einfachen Worten zu beschreiben, was eine Sinusvenenthrombose eigentlich ist. Denn dazu haben Ärzte oftmals weder Lust noch Zeit, geschweige denn die nötigen Worte. Und auf der anderen Seite sind die Betroffenen eher selten medizinisch gebildet und stehen dann wie der Ochs vorm Berge. Und was man nicht kennt oder sich erklären kann, macht noch mehr Angst. Daher habe ich mir vorgenommen mit diesem Blog in einfachen aber richtigen Worten über die Sinusvenenthrombose mit all ihren Begleiterscheinungen zu informieren.

Ich hoffe, dass ihr Leser da draußen ein wenig Hoffnung und Kraft aus meinem Blog schöpfen könnt, getreu dem Motto: „Geteiltes Leid ist halbes Leid!“

Und nicht zuletzt dient dieser Blog auch der Aufarbeitung und Bewältigung meiner eigenen Sinusvenenthrombose- Krankheitsgeschichte, die einen Rattenschwanz hinter sich her zieht, dessen Ende nicht abzusehen ist.

Das wars fürs erste, liebe Welt. Ich wünsche uns allen die „Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die wir nicht Ändern können, den Mut Dinge zu ändern, die wir ändern können und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden“

Mir bleibt nur noch zu sagen: TSCHAKKA, wir schaffen es! :thumbsup:

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